Eine
Chance für das Leben:
Aktion Moses in Frankfurt
Die
Frankfurter 'Aktion Moses' ist ein niedrigschwelliges Hilfs- und Beratungsangebot,
das mittels eines Notruftelefons schwangeren Frauen helfen möchte,
die gefährdet sind, ihr Baby auszusetzen oder zu töten. Ziel
ist es, das Leben des Kindes zu schützen und gleichzeitig der schwangeren
Frau in ihrer akuten Lebenskrise Gespräche und Hilfe anzubieten.

Erfahrungen
seit 2001
Zum Start
der Aktion Moses des SkF in Frankfurt im März 2001, wurde der Projekterfolg
klar definiert: Wir sind erfolgreich, wenn uns kein Kind übergeben
wird. Diese paradoxe Zielsetzung zeigt den hohen Stellenwert der Prävention:
Wir haben uns in einem intensiven Beratungsprozess von den schwierigen
Lebensumständen dieser Frauen überzeugen können und verstanden,
warum sie sich in der von ihnen als hoffnungslos erlebten Situation nicht
für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden konnten, resümiert
Margit Grohmann, Geschäftsführerin des Sozialdienstes Katholischer
Frauen (SkF) in Frankfurt, die Arbeit der Aktion Moses.
Das
Konzept greift
Bitte,
passen Sie gut auf mein Kind auf! Mit diesen Worten legte eine junge
Frau ihr drei Tage altes Baby in die Arme einer Moses-Mitarbeiterin. Es
fiel ihr sichtlich schwer, sich von dem Kind zu trennen. Sie hatte das
Mädchen gestillt und sich um es gekümmert, nach dem sie es alleine
geboren hatte. Die junge Frau wirkte verstört, unruhig und ängstlich.
Im Vorfeld hatte sie sich mehrmals bei dem kostenfreien Notruftelefon
der Frankfurter Aktion Moses gemeldet.
Mehr
als 6000 Anrufer und Anruferinnen
Das Konzept
der Prävention greift und das weiter, als ursprünglich gedacht:
Durch die anonyme Beratung am kostenfreien Notruftelefon wurden in den
vergangenen drei Jahren fast 6.000 Anrufer und Anruferinnen erreicht.
Sie meldeten sich, um sich Rat zu holen bei Schwangerschafts- oder Familienproblemen,
bei Fragen erster sexueller Erfahrungen oder ungewollter Schwangerschaft.
Überraschend viele Jugendliche wandten sich mit ihren Problemen an
das Moses-Telefon. Allerdings waren über die Hälfte aller Telefonate
Störanrufe, wobei die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
durch Beschimpfungen, Obszönitäten oder sexuelle Belästigungen
massiv mit den Schattenseiten der Gesellschaft konfrontiert wurden. Auch
das ist ein Teil des Projektes geworden.
Hessisches
Modellprojekt
Es liegen
sehr arbeitsreiche und schwierige Zeiten hinter uns, resümiert
Margit Grohmann, Die tägliche Projektarbeit hält immer
wieder `Fußangeln´ bereit, die neue Problemfelder eröffnen.
Wir wollen uns der Herausforderung auch weiterhin stellen, in dem wir
Lösungswege für die betroffenen Frauen suchen, aber auch die
Ziele und die Umsetzung der eigenen Arbeit immer wieder in frage stellen.
So erwartet der SkF Frankfurt für die zukünftige Arbeit der
Aktion Moses zusammen mit den Kooperationspartnern dem hessischen Sozialministerium,
der Stadt Frankfurt und dem Limburger Ordinariat die Klärung der
rechtlichen Situation von vertraulicher Geburt und anonymer Abgabe des
Kindes und die Initiierung von wissenschaftlicher Begleitforschung, um
in einem bundesweiten Netzwerk Qualitätsmaßstäbe zu initiieren
und Lösungsmodelle zu erarbeiten.
Obwohl
in den vergangenen drei Jahren des hessischen Modellprojektes das Wissen
um die betroffenen Frauen mit jedem Kontakt wächst, bleiben noch
immer wichtige Fragen unbeantwortet: Warum sehen einige Frauen nur die
Möglichkeit, ihr Kind auszusetzen? Warum schaffen es diese Frauen
nicht, sich den bestehenden Hilfsangeboten anzuvertrauen? Wie muss ein
angemessenes Hilfsangebot für diese Frauen aussehen?
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